Es gibt Orte, die den Kopf leeren, um Platz für Neues zu schaffen. Für mich ist das die Nordsee – diese karge, weite Landschaft, in der der Wind fast immer weht.
Er ist für mich mehr als ein Wetterphänomen; er ist eine Metapher für das Leben selbst.
Vom Standhalten und Nachgeben
Wir alle kennen den Gegenwind, dem wir trotzen müssen, oder den Rückenwind, der uns antreibt. Doch am faszinierendsten finde ich den Moment, in dem wir lernen, uns wie Bambus im Sturm zu biegen:
biegsam und doch stabil.
In meinen Skulpturen versuche ich genau diese Dynamik einzufangen. Es ist der Versuch, das Unsichtbare – den Wind – durch die Haltung
einer Figur sichtbar zu machen.
Die Stille der Geste: Warum ich auf Gesichter verzichte
Meine neueren Arbeiten haben keine ausgearbeiteten Gesichter mehr. Das ist eine bewusste Entscheidung für die Offenheit. Ein Gesichtsausdruck legt eine bestimmte Stimmung fest – er ist
„laut“.
Ich möchte jedoch, dass meine Figuren leise zum Innehalten einladen. Ohne Mimik bleibt die Erzählung allein in der Gestik, im Schwung des Körpers und in der Neigung gegen den Wind. So kann jeder
Betrachter seine eigene Geschichte, sein eigenes Gefühl in der Figur wiederfinden.
Leichtigkeit aus Papierkomposit und gehärtetem Papier
Um diese flüchtige Bewegung dauerhaft festzuhalten, arbeite ich mit einem speziellen Papierkomposit (einer veredelten Form des Pappmaché), Textil und Papier. In meiner
fortlaufenden Werkreihe Wind und Sturm erlaubt mir dieses Material eine besonders filigrane Ausarbeitung, die dennoch eine enorme Stabilität besitzt.
Es ist ein ständiger Dialog im Atelier: Wie viel Material brauche ich für die Beständigkeit, und wie wenig darf es sein, um die charakteristische Leichtigkeit nicht zu verlieren? Das Ergebnis
sind monochrome, schlichte Unikate, die nicht um Aufmerksamkeit rufen, sondern den Raum mit einer stillen Präsenz füllen.



