Yugen – Die Schönheit des Verborgenen in meiner Kunst

Vielleicht kennt ihr das Gefühl, in einem Moment innezuhalten und eine Tiefe zu spüren, die sich kaum in Worte fassen lässt? Wenn eine Situation oder ein Anblick plötzlich eine Resonanz in euch auslöst, die weit über das Sichtbare hinausgeht?
Genau dieser besonderen Art der Wahrnehmung spüre ich seit Ende letzten Jahres in meinem Atelier in Dortmund nach. In meiner neuen Werkserie, den Yūgen-Gefäßen, möchte ich euch mitnehmen auf eine Reise in die Stille und die japanische Ästhetik.
Ein Yūgen-Wandobjekt im Dialog mit dem Raum: Die Reduktion an der Wand schafft eine Verbindung zur Stille im Alltag.
Ein Wandobjekte der Yūgen-Serie im Zusammenspiel mit minimalistischen Vasen – ein Ort der Stille.

Was bedeutet eigentlich Yugen?

Yūgen ist weit mehr als ein Begriff aus der Ästhetik. Es ist eine Lebenshaltung – das Wissen um eine geheimnisvolle Schönheit, die sich nicht laut aufdrängt, sondern in der Stille und im Unausgesprochenen mitschwingt. Es beschreibt das Erahnen einer Tiefe, die hinter den Dingen liegt; jene unsichtbare Dimension, die uns in einem flüchtigen Augenblick ganz plötzlich ergreifen kann.

Vom Augenblick zum Gefäß

Diese Serie hat ihren Ursprung in meinem Projekt „Moment mal – über die Erforschung des Augenblicks“. Inspiriert von der Klarheit einer Tee-Zeremonie fasziniert mich die radikale Einfachheit der Gefäße: Nichts soll vom gegenwärtigen Moment ablenken. Diese Konzentration auf das Wesentliche hat sich für mich im letzten Jahr in der archaischen Form der Schale verdichtet. Für mich ist jedes dieser Objekte ein Echo jener Achtsamkeit, mit der ich der Welt und jeder Situation gegenübertreten möchte.

Eine Reihe von quadratischen Yūgen-Wandobjekten an einer weißen Wand, die perspektivisch nach hinten in die Unschärfe verlaufen. Abstrakte Gefäß-Collagen in Erdtönen.
Die Wandobjekte der Yūgen-Serie im Zusammenspiel – eine rhythmische Reihung, die dem Raum Ruhe gibt.

Das Gefäß als Sinnbild

Warum Gefäße? Für mich ist das Gefäß ein starkes Symbol für den menschlichen Raum – ein Ort des Bewahrens, aber auch des Loslassens. In meiner Mischtechnik auf Holz und Papier zeige ich diese Gefäße in einer kargen, reduzierten Szenerie. Dieser Minimalismus schafft Platz für das Unausgesprochene und das Geheimnisvolle. Es ist eine Schönheit, die erst auf den zweiten Blick erkennbar wird – eine Ästhetik und Kostbarkeit, die wir fühlen.
Ganz im Sinne der Wabi-Sabi-Philosophie suche ich dabei die Vollkommenheit im Unperfekten. Mein Minimalismus ist kein Verzicht, sondern schafft erst den nötigen Raum für jene Tiefe, die wir eher fühlen als sehen.
Schwarz-weißes Yūgen-Wandobjekt neben einer minimalistischen Holzvase mit einer vertrockneten Blütenkapsel. Stillleben-Arrangement im Wabi-Sabi-Stil.
Wabi-Sabi im Detail: Wenn die grafische Strenge der Collage auf die Vergänglichkeit einer vertrockneten Blüte trifft

Farb-Archäologie: Spurensuche im Material

Mein Entstehungsprozess gleicht einer kleinen archäologischen Grabung. Ich arbeite mit:
  • Papierfragmenten mit Lebensspuren: Alte Papiere, die ihre eigene Geschichte erzählen.
  • Gesso, Acryl und Wasserverläufen: Die den Zufall und das Unvorhersehbare einladen.
  • Stilisierter, abstrakter Schrift: Sie wandert wie ein leises Echo über das Papier, ohne ihre Botschaft sofort preiszugeben.
Durch das Schichten, Auftragen und wieder Abtragen entstehen Oberflächen mit einer verlebten Patina. Ich nehme diese Spuren auf, forme sie um und verändere sie – bis sich das Vergangene im Jetzt zu einer neuen Geschichte zusammenfügt.

Ausblick: Kloster Kamp 2027

Ich freue mich riesig, dass diese Serie – neben meinen Skulpturen – ein zentraler Teil meiner Einzelausstellung „Ein Blick in die Stille“ sein wird. Die kontemplative Atmosphäre im Kloster Kamp wird 2027 der ideale Rahmen für diese Arbeiten sein.
Wenn ihr mehr von dieser besonderen Haptik entdecken möchtet, lade ich euch herzlich ein, in meinem Etsy-Atelier zu stöbern oder meine Wandobjekte direkt hier auf der Website zu entdecken. Bei Interesse an diesen Unikaten oder Fragen zu meiner Ausstellung im Kloster Kamp freue ich mich über eure Nachricht.