Vielleicht kennt ihr das Gefühl, in einem Moment innezuhalten und eine Tiefe zu spüren, die sich kaum in Worte fassen lässt? Wenn eine Situation oder ein Anblick plötzlich eine Resonanz in euch
auslöst, die weit über das Sichtbare hinausgeht?
Genau dieser besonderen Art der Wahrnehmung spüre ich seit Ende letzten Jahres in meinem Atelier in Dortmund nach. In meiner neuen Werkserie, den
Yūgen-Gefäßen, möchte ich euch mitnehmen auf eine Reise in die Stille und die japanische Ästhetik.
Yūgen ist weit mehr als ein Begriff aus der Ästhetik. Es ist eine Lebenshaltung – das Wissen um eine geheimnisvolle Schönheit, die sich nicht laut aufdrängt, sondern in der Stille und im
Unausgesprochenen mitschwingt. Es beschreibt das Erahnen einer Tiefe, die hinter den Dingen liegt; jene unsichtbare Dimension, die uns in einem flüchtigen Augenblick ganz plötzlich ergreifen
kann.
Diese Serie hat ihren Ursprung in meinem Projekt „Moment mal – über die Erforschung des
Augenblicks“. Inspiriert von der Klarheit einer Tee-Zeremonie fasziniert mich die radikale Einfachheit der Gefäße: Nichts soll vom gegenwärtigen Moment ablenken. Diese Konzentration auf
das Wesentliche hat sich für mich im letzten Jahr in der archaischen Form der Schale verdichtet. Für mich ist jedes dieser Objekte ein Echo jener Achtsamkeit, mit der ich der Welt und jeder
Situation gegenübertreten möchte.
Warum Gefäße? Für mich ist das Gefäß ein starkes Symbol für den menschlichen Raum – ein Ort des Bewahrens, aber auch des Loslassens. In meiner Mischtechnik auf Holz und Papier zeige ich diese
Gefäße in einer kargen, reduzierten Szenerie. Dieser Minimalismus schafft Platz für das Unausgesprochene und das Geheimnisvolle. Es ist eine Schönheit, die erst auf den zweiten Blick erkennbar
wird – eine Ästhetik und Kostbarkeit, die wir fühlen.
Ganz im Sinne der Wabi-Sabi-Philosophie suche ich dabei die Vollkommenheit im Unperfekten. Mein Minimalismus ist kein Verzicht, sondern schafft erst den nötigen Raum für jene Tiefe, die wir eher
fühlen als sehen.
Mein Entstehungsprozess gleicht einer kleinen archäologischen Grabung. Ich arbeite mit:
-
Papierfragmenten mit
Lebensspuren: Alte Papiere, die ihre eigene Geschichte erzählen.
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Gesso, Acryl und
Wasserverläufen: Die den Zufall und das Unvorhersehbare einladen.
-
Stilisierter, abstrakter
Schrift: Sie wandert wie ein leises Echo über das Papier, ohne ihre Botschaft sofort preiszugeben.
Durch das Schichten, Auftragen und wieder Abtragen entstehen Oberflächen mit einer verlebten Patina. Ich nehme diese Spuren auf, forme sie um und verändere sie – bis sich das Vergangene im Jetzt
zu einer neuen Geschichte zusammenfügt.
Ich freue mich riesig, dass diese Serie – neben meinen Skulpturen – ein zentraler Teil meiner Einzelausstellung „Ein Blick in die Stille“ sein
wird. Die kontemplative Atmosphäre im Kloster Kamp wird 2027 der ideale Rahmen für diese Arbeiten sein.
Wenn ihr mehr von dieser besonderen Haptik entdecken möchtet, lade ich euch herzlich ein, in meinem Etsy-Atelier zu stöbern oder meine Wandobjekte direkt hier auf der Website zu entdecken. Bei
Interesse an diesen Unikaten oder Fragen zu meiner Ausstellung im Kloster Kamp freue ich mich über eure Nachricht.