Badegäste und Sommerfrische – über die Sehnsucht nach Ruhe

Manchmal kommen Arbeiten nach längerer Zeit aus einer Galerie zurück ins Atelier und man betrachtet sie mit ganz neuen Augen. Fünf Figuren aus meiner Werkreihe „Sommerfrische und Badegäste“ stehen nun wieder hier auf meinem Arbeitstisch. Wenn ich sie so nebeneinander betrachte, merke ich, dass sie heute ein Thema berühren, das mir beim eigentlichen Machen im Atelier gar nicht so bewusst war.

 

Es geht mir dabei um eine ganz elementare Form von Ruhe. Wenn ich an diesen Skulpturen arbeite, gibt es keine digitale Ablenkung, kein Smartphone, kein Blinken und keine ständige Erreichbarkeit. Diese Figuren strahlen für mich genau das aus, was ich beim Arbeiten selbst suche: den Fokus auf das Analoge, das reine Material und das einfache Tun im Hier und Jetzt.

Detail:  Zeitlose Skulptur von Claudia König, die ein kleines, gefaltetes Boot mit grün oxidierter Kupferpatina in den Händen trägt.

Die Geschichte hinter den Skulpturen

Die Figuren stammen gedanklich aus einer Epoche, als Reisen noch kein hektisches, digital durchgetaktetes „Last-Minute-Geschäft“ war. Sie reisen zurück in die Zeit der klassischen Sommerfrische am Meer. Es war die Zeit, als die Badegäste noch in tugendhafter, streng nach Geschlechtern getrennter Badekleidung aus hölzernen Badekarren stiegen.

 

Diese historische, leicht steife Nostalgie fängt genau jene Entschleunigung ein. Die Figuren werden zu augenzwinkernden Zeitzeugen einer vergangenen Zeit, als eine Reise ans Meer noch ein großes, ungestörtes Abenteuer war.

 Skulptur von Claudia König: Figur aus Papiermache mit Badekappe und einem strukturierten Badehandtuch aus rauem, gehärtetem Jutestoff.

Haptik und Material: Pappmaché, Jute und oxidiertem Kupfer

Die Figuren sind schon fast monochrom. Für die Oberflächen nutze ich ausschließlich Off-White und erdige Naturtöne. Bei meinen Skulpturen arbeite ich bewusst mit Gegensätzen im Material: Während die Haut eine sehr rohe, raue Oberfläche behält, sind die Badeanzüge glatt ausgearbeitet.

 

  • Die Kleidung: Alle Figuren tragen historische Badeanzüge mit angesetztem Bein.
  • Die Requisiten: Manche halten Wasserbälle, andere tragen Badetücher aus rauem, gehärtetem Jutestoff in den Händen.
  • Die Boote: Einige Figuren halten kleine Boote. Diese wurden aus Papier gefaltet, gehärtet und mit einer echt grün oxidierten Kupferpatina versehen.

Meine Badegäste erzählen für mich von Momenten, in denen man ganz in seinem eigenen Tun aufgeht – ungestört, gedankenverloren und einfach da.

 Monochrome Pappmaché-Figur von Claudia König, ein Badegast mit historischem Badeanzug, der einen Ball in den Händen hält.
Abstrakte, monochrome Skulptur einer rennenden Figur in historischer Badekleidung aus der Werkreihe Sommerfrische von Claudia König.