
In der japanischen Ästhetik bezeichnet der Begriff Yūgen eine Tiefe, die jenseits der Worte liegt. Es ist das Erahnen einer Schönheit im Verborgenen, die das Wissen um das Vergängliche bereits in
sich trägt. Eine tiefe, subtile Anmut, die sich nicht laut aufdrängt, sondern erst beim längeren Hinsehen spürbar wird – das Ahnungsvolle.
Ganz im Sinne dieser Wabi-Sabi-Philosophie arbeite ich in meines Ateliers in Dortmund. Es entstehen reduzierte Malereien – entweder direkt auf Holzkörpern oder auf Papier, das anschließend auf
MDF kaschiert wird. In diesen Arbeiten suche ich die Schönheit des Unvollkommenen und das Geheimnis des Verborgenen.
Für mich ist das Gefäß ein Sinnbild für den menschlichen Raum – ein Ort, der umschließt, bewahrt oder loslässt. Die Malerei zeigt dabei eine karge Szenerie: Durch die bewusste Reduktion auf das Wesentliche entsteht ein weiter, ruhiger Raum, in dem das Leere ebenso wichtig ist wie das Objekt selbst. In dieser Kargheit werden die Gefäße zu kraftvollen Symbolen für das Vergängliche und das Unausgesprochene.

Meine Arbeiten entstehen in einer aufwendigen Mischtechnik auf Papier, bei der ich das Collagieren von Papieren mit Lebensspuren mit Acryl und Aquarell kombiniere. Diese Fragmente tragen bereits ihre eigene Geschichte in sich – eine Wabi-Sabi-Ästhetik des Unperfekten, die durch das Verbinden der unterschiedlichen Materialien zu einer neuen, vielschichtigen Einheit wird.
Ein wiederkehrendes Element in diesen Kompositionen ist das Asemic Writing: Wie ein leises
Echo ziehen sich abstrakte, unlesbare Zeilen über das Papier. Ohne feste Bedeutung für den Betrachter bewahren sie meine Gedanken im Stillen und fügen sich in die Ruhe des Bildes.
Ergänzend zu den Arbeiten auf Holzkörpern entstehen in dieser Serie Malereien auf Papier, kaschiert auf schwerem Passepartout-Karton. Eine Auswahl dieser Unikate finden Sie direkt in meinem Etsy-Atelier.
Diese Serie wird, neben meinen Skulpturen, ein tragendes Element meiner kommenden Einzelausstellung „Ein Blick in die Stille“ sein. Ich freue mich darauf, diese Objekte im historischen Ambiente
des Klosters Kamp im Jahr 2027 zu zeigen. Die spirituelle Architektur des Ortes bildet den perfekten Rahmen für die kontemplative Tiefe der Yūgen-Reihe.
Während meine Skulpturen Momentaufnahmen der Stille sind, die dem flüchtigen Moment eine Beständigkeit geben, sucht die Malerei in der archaischen Form des Gefäßes nach einer Hülle für das
Unsichtbare.